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Was kostet ein Interim Manager? Tagessätze verstehen — und richtig einordnen
„Was kostet das?” ist meist die zweite Frage im Erstgespräch — gleich nach „Wann können Sie anfangen?”. Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an. Das klingt ausweichend, ist es aber nicht. Der Tagessatz eines Interim Managers hängt von wenigen, klar benennbaren Faktoren ab. Wer sie kennt, kann ein Angebot einordnen — und erkennt, wann ein niedriger Satz teuer wird.
Warum es keinen Listenpreis gibt
Ein Interim Manager verkauft keine Dienstleistung von der Stange, sondern Verantwortung auf Zeit. Und Verantwortung ist nicht in jedem Unternehmen gleich groß. Ein Interim-Geschäftsführer, der Organhaftung übernimmt und in einer Sanierung Entscheidungen mit persönlichem Risiko trifft, arbeitet unter anderen Bedingungen als eine Programmleitung, die ein klar umrissenes Projekt zu Ende bringt. Beides ist legitim, beides hat seinen Preis — aber nicht denselben.
Dazu kommt: Der Interim Manager trägt sein unternehmerisches Risiko selbst. Kein Mandat, kein Einkommen. Zwischen zwei Mandaten liegen oft Wochen, manchmal Monate. Ein Tagessatz muss diese Lücken mitfinanzieren, ebenso Weiterbildung, Versicherungen, Vorsorge und die Infrastruktur eines Ein-Personen-Unternehmens. Wer den Tagessatz mit dem Tagesgehalt eines Angestellten vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Dinge.
Vier Faktoren, die den Tagessatz bestimmen
Aus meiner Erfahrung — auf beiden Seiten des Tisches, als Auftraggeber und als Interim Manager — sind es im Kern vier Größen:
Verantwortung. Die wichtigste Variable. Geschäftsführung mit Organhaftung, Bereichsleitung mit Budget- und Personalverantwortung oder Programmleitung mit klarem Liefergegenstand: Je mehr der Interim Manager persönlich verantwortet, desto höher der Satz.
Branche und Regulierung. In Banken, Versicherungen, Energieversorgern oder Telekommunikation kommt zur fachlichen Aufgabe die regulatorische Verantwortung. Wer in einer Bank eine Auslagerung verantwortet, arbeitet unter Aufsichtsrecht — mit entsprechendem Haftungsrisiko und entsprechendem Erfahrungsbedarf.
Dauer und Auslastung. Ein Mandat über zwölf Monate mit vier Tagen pro Woche bietet Planungssicherheit. Das schlägt sich üblicherweise in einem niedrigeren Satz nieder als ein Einsatz über sechs Wochen, der den Kalender blockiert und danach eine Lücke hinterlässt.
Risiko und Zeitdruck. Ein Turnaround mit Liquiditätsengpass, ein Projekt nach drei gescheiterten Anläufen, ein fixer Endtermin ohne Reserve: Solche Situationen verlangen Verfügbarkeit rund um die Uhr und Entscheidungen, deren Konsequenzen der Interim Manager mitträgt. Das hat seinen Preis.
Reisekosten kommen separat dazu und werden nach Aufwand verrechnet. Ein Mandat mit drei Präsenztagen pro Woche in einer anderen Stadt kostet mehr als eines, das überwiegend remote funktioniert.
Die Marktspanne im DACH-Raum
Die Interim-Verbände und größere Provider veröffentlichen regelmäßig Marktstudien: die DDIM in Deutschland, der AIMP als Zusammenschluss der Provider, dazu Erhebungen einzelner Anbieter wie Ludwig Heuse. Diese Studien zeigen seit Jahren dasselbe Bild — die Spanne der Tagessätze ist breit, und sie öffnet sich nach oben mit dem Verantwortungsniveau. Zwischen einem Interim-Projektleiter im Mittelstand und einem Interim-CEO in einem regulierten Konzern liegt nicht selten der Faktor zwei bis drei.
Wichtig zum Verständnis: Diese Studien geben Durchschnitte und Bandbreiten wieder, keine Preislisten. Sie sagen Ihnen, ob ein Angebot grob im Markt liegt. Ob es für Ihre Situation angemessen ist, sagen sie nicht.
Ein zweiter Punkt: Wer über einen Provider bucht, zahlt dessen Marge mit. Das ist legitim — der Provider übernimmt Suche, Vorauswahl und Vertragsabwicklung. Wer direkt beauftragt, spart diese Marge, trägt aber die Auswahl selbst. Beides hat seine Berechtigung. Sie sollten nur wissen, welchen Anteil des Tagessatzes der Manager tatsächlich erhält.
Tagessatz ist nicht Gesamtkosten
Der häufigste Denkfehler beim Einkauf von Interim-Leistungen: den Tagessatz mit zwanzig multiplizieren und mit dem Monatsgehalt eines Angestellten vergleichen. Das ergibt eine erschreckende Zahl — und eine falsche.
Rechnen Sie die tatsächlichen Kosten einer Festanstellung: Bruttogehalt plus Lohnnebenkosten, Bonus, Dienstwagen, Pensionszusage, Abfertigung, Urlaubs- und Krankenstandstage, Kündigungsfrist. Dazu die Kosten der Suche — Personalberater, Zeit des Aufsichtsrats, Monate ohne Besetzung. Und dann die Kosten der Vakanz selbst: aufgeschobene Entscheidungen, ein Projekt, das jeden Monat länger dauert, ein Team ohne Führung.
Ein Interim Manager ist pro Tag teurer als ein Angestellter. Das ist nicht der Punkt. Er ist innerhalb von Tagen da, braucht keine Einarbeitungszeit, hat keine Kündigungsfrist und kostet nichts, wenn das Mandat endet. Die relevante Vergleichsgröße ist nicht der Tagessatz, sondern: Was kostet Sie jeder Monat, in dem die Situation so bleibt, wie sie ist?
Woran Sie ein faires Angebot erkennen
Ein seriöses Interim-Angebot ist kurz und beantwortet fünf Fragen:
- Was genau ist der Auftrag? Rolle, Ziel, Enddatum — schriftlich, auf einer Seite.
- Wie wird abgerechnet? Nach tatsächlich geleisteten Tagen, monatlich, ohne Mindestabnahme über ein vernünftiges Maß hinaus.
- Was ist im Satz enthalten? Und was kommt dazu — in der Regel nur Reisekosten nach Aufwand.
- Wie wird die Übergabe organisiert? Ein Interim Manager, der auf seine eigene Entbehrlichkeit hinarbeitet, ist der bessere.
- Welche Kündigungsfrist gilt? Für beide Seiten — und sie sollte kurz sein.
Skeptisch sollten Sie werden, wenn der Satz auffällig niedrig ist. Entweder fehlt Erfahrung auf dem geforderten Verantwortungsniveau — oder das Angebot rechnet mit Verlängerungen, die Sie noch nicht sehen.
Fazit
Der Tagessatz eines Interim Managers folgt nachvollziehbaren Faktoren: Verantwortung, Branche, Dauer, Risiko. Die Marktspanne im DACH-Raum ist breit, weil diese Faktoren breit streuen. Vergleichen Sie nicht Tagessätze untereinander, sondern das Angebot mit den Kosten der ungelösten Situation. Und lassen Sie sich den Satz erklären — wer ihn nicht begründen kann, hat ihn nicht durchdacht.
Wie ein Mandat bei mir beginnt und wovon mein Honorar abhängt, steht unter Ablauf und Konditionen.