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Interim Geschäftsführer: Wann ein Unternehmen ihn braucht — und wann nicht

Die Geschäftsführung fällt aus — durch Kündigung, Krankheit, Streit im Gesellschafterkreis oder weil der Eigentümer nach dreißig Jahren aufhört. Die Nachfolge ist nicht geregelt, oder sie braucht noch ein Jahr. In dieser Lage stellt sich die Frage, ob ein Interim Geschäftsführer die Lücke schließen soll. Die Antwort ist häufiger „Ja” als viele denken — und seltener, als manche Anbieter behaupten.

Was ein Interim-Geschäftsführer ist — und was nicht

Ein Interim-Geschäftsführer wird als Organ bestellt. Er steht im Firmenbuch, er haftet, er unterschreibt. Das unterscheidet ihn vom Berater, der Empfehlungen abgibt und danach geht, und vom Coach, der die bestehende Geschäftsführung begleitet. Der Interim-Geschäftsführer trifft die Entscheidungen selbst und trägt die Konsequenzen — für die Dauer des Mandats.

Er ist auch kein Kandidat für die Dauerlösung. Ein guter Interim Manager kommt mit einem Enddatum und arbeitet von der ersten Woche an darauf hin. Wenn der Gesellschafter insgeheim hofft, dass „der dann einfach bleibt”, ist die Konstruktion von Anfang an schief.

Fünf Situationen, in denen er richtig ist

1. Die plötzliche Vakanz. Der Geschäftsführer ist weg — freigestellt, erkrankt, verstorben, abgeworben. Eine reguläre Suche über Personalberater dauert auf C-Level erfahrungsgemäß sechs bis zwölf Monate, bis der Nachfolger tatsächlich im Haus ist. So lange kann ein Unternehmen nicht ohne Führung bleiben. Ein Interim-Geschäftsführer ist in Tagen da und hält den Betrieb, während die Suche ordentlich läuft — ohne den Druck, den Erstbesten zu nehmen.

2. Die Krise, die die bestehende Führung nicht lösen kann. Liquidität wird knapp, die Bank fordert einen Sanierungsplan, Schlüsselkunden wandern ab. Manchmal ist die bisherige Geschäftsführung Teil des Problems; manchmal ist sie schlicht erschöpft oder hat diese Situation noch nie erlebt. Ein Interim Manager, der schon mehrere Sanierungen geführt hat, bringt zwei Dinge mit, die intern fehlen: Erfahrung mit genau dieser Lage und die Freiheit, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, weil er keine Karriere im Haus zu schützen hat.

3. Die Transformation mit Enddatum. Ein Carve-out, eine Post-Merger-Integration, der Umbau des Geschäftsmodells, eine große Systemablöse. Aufgaben, die die volle Aufmerksamkeit einer Führungskraft über zwölf bis achtzehn Monate brauchen — und danach nicht mehr existieren. Dafür eine Dauerstelle zu schaffen, ist teuer und hinterlässt am Ende eine Person ohne Aufgabe.

4. Das Portfolio-Unternehmen. Private-Equity-Investoren stehen regelmäßig vor der Frage, wer ein zugekauftes Unternehmen in den ersten Monaten führt, bis das Zielbild klar und das passende Management gefunden ist. Ein Interim-Geschäftsführer, der Reporting, Governance und die 100-Tage-Agenda aufsetzt, verschafft dem Investor Zeit für eine gute Personalentscheidung.

5. Die Brücke in der Nachfolge. Familienunternehmen sind der häufigste Fall. Der Übergeber will oder muss aufhören, die nächste Generation ist noch nicht so weit oder will nicht, ein Verkauf ist in Vorbereitung. Nach Schätzungen des IfM Bonn stehen in Deutschland jährlich mehrere zehntausend Familienunternehmen zur Übergabe an; die Wirtschaftskammer Österreich zeichnet für Österreich ein vergleichbares Bild. Ein Interim-Geschäftsführer führt das Unternehmen in dieser Phase professionell, hält den Wert und schafft Distanz zwischen Familie und Tagesgeschäft.

Drei Situationen, in denen er falsch ist

Wenn das Problem die Struktur ist, nicht die Person. Zwei Gesellschafter, die sich seit Jahren blockieren, bekommen durch einen dritten Geschäftsführer keinen Frieden — sie bekommen einen weiteren Beteiligten, der zwischen den Fronten aufgerieben wird. Erst muss der Gesellschafterkonflikt gelöst werden, dann die Führungsfrage.

Wenn eigentlich ein Berater gemeint ist. Manche Anfragen lauten sinngemäß: „Schauen Sie sich das an und sagen Sie uns, was wir tun sollen.” Das ist eine legitime Aufgabe, aber keine Geschäftsführung. Wer keine Entscheidungsvollmacht übertragen will, braucht keinen Interim-Geschäftsführer — und sollte auch keinen dafür bezahlen.

Wenn kein Ende geplant ist. Ein Interim-Mandat ohne Nachfolgeplan wird zur teuren Dauerlösung. Wenn niemand die Suche nach dem regulären Geschäftsführer verantwortet, verlängert sich das Mandat halbjährlich, und die Organisation richtet sich auf eine Führung ein, die eigentlich gehen wollte. Bevor ein Interim-Geschäftsführer startet, sollte feststehen, wer bis wann die dauerhafte Besetzung betreibt.

Woran Sie erkennen, dass es Zeit ist

Drei Fragen, die Sie sich als Eigentümer, Aufsichtsrat oder Investor stellen sollten:

  • Gibt es Entscheidungen, die seit Wochen liegen bleiben, weil niemand sie treffen kann oder will?
  • Hat die Situation ein absehbares Ende — Nachfolge, Abschluss des Projekts, Stabilisierung der Zahlen?
  • Sind Sie bereit, einem Externen echte Vollmacht zu geben, inklusive der Entscheidungen, die Ihnen nicht gefallen werden?

Zweimal Ja und ein Nein bei der dritten Frage: Dann lassen Sie es. Dreimal Ja: Dann ist ein Interim-Geschäftsführer wahrscheinlich die schnellste und am Ende günstigste Lösung.

Fazit

Ein Interim-Geschäftsführer ist die Antwort auf eine zeitlich begrenzte Führungslücke mit echtem Entscheidungsbedarf: Vakanz, Krise, Transformation, Portfolio-Übergang, Nachfolge. Er ist nicht die Antwort auf ungelöste Gesellschafterkonflikte, auf den Wunsch nach einer unverbindlichen Meinung oder auf das Fehlen eines Nachfolgeplans. Wer das vorab ehrlich klärt, bekommt in wenigen Tagen eine Führung, die trägt — und in wenigen Monaten wieder ein Unternehmen, das ohne sie auskommt.

Was ich als Interim-Geschäftsführer übernehme und wie ein Mandat abläuft, lesen Sie unter Interim CEO / Geschäftsführung.

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